Wie moderne Technik den Unterricht bereichern kann

Ich brachte heute Morgen (Sonntag, 5. Juli 2015) meinen Sohn zum Flughafen. Klassenfahrt nach Neapel. Ist das überhaupt eine KlassenFAHRT? Die Kinder fahren schließlich nicht.

Nächsten Freitag hole ich meinen Sohn wieder von Flughafen ab. Hilfreich ist für mich natürlich das Wissen, wann ich am Flughafen sein muss. Also fragte ich, welches denn die Flugnummer des Rückfluges sei. Können Sie sich die Anwort vorstellen?
Die Antwort war allen Ernstes: Das habe ich bei Facebook geschrieben.

Ich will nicht immer auf demselben Thema herumreiten. Ich habe nichts gegen Facebook an sich. Aber irgendwas läuft schief. Man kann ja einiges machen. Die Organisation einer Klassenfahrt aber über Facebook abzuwickeln, kann nicht der rechte Weg sein. Was ist mit dem Kind, das kein Facebook hat? Was ist mit den Eltern, die sich renitent dem GROSSEN NETZWERK verweigern? Was ist mit der guten alten schriftlichen Benachrichtigung? „Liebe Eltern, wir fliegen nach Neapel. Am … um … Uhr fliegen wir los, am … um … Uhr landen wir wieder.“

Es mag natürlich sein, dass die Tinte alle war und die Lehrerin deshalb keine Notiz für die Eltern schreiben konnte. Hätte sie eine geschrieben, hätte sie sicher darauf verwiesen.

Ich frage mich ernsthaft, wie das wohl weitergehen soll? Facebookzwang in der Schule? Geht es noch?

Aber vielleicht bin ich auch einfach zu alt. Ich meine, zu meiner Zeit war es einfach nicht Usus, dass die Kommunikation zwischen Klassenlehrer und Eltern und Klasse über das Internet lief. Möglicherweise könnte es am Fehlen des Internets gelegen haben, vielleicht war es auch nur eine andere Zeit. Vielleicht muss ich meine Sichtweise auf unser Schulsystem ändern.

Machen wir uns nichts vor, dass Internet und Facebook bestimmen schon lange unser Leben und ich glaube, ich finde einfach keinen Zugang zu dem Potential, den das GROSSE NETZWERK unbestritten hat.

Seit Jahren rege ich mich darüber auf, dass so viel Unterricht ausfällt.  Aber warum eigentlich? Der Ausfall ist nicht das wirkliche Problem und schon in naher Zukunft wird dieses Problem vielleicht gelöst sein.

Der April 2017:

Herr Neumann, Physiklehrer am Zuckerberg Gymnasium, ist erkrankt. Leider soll ausgerechnet in dieser Zeit die wichtige Klausur geschrieben werden. Kein Problem! Aus der Klausur wird eine Facebook-App: „Finde heraus, welche Big-Bang-Theorie-Figur du bist!“

Löst man alle Aufgaben richtig, ist man Sheldon Cooper. Versagt man glorreich, ist man… Der Comicbookverkäufer? Wie hieß er doch gleich? Ah, Stuart.

Überhaupt wird überbewertet, zur Schule zu gehen. Nein, Bildung wird nicht überbewertet. Nur der Gang zur Schule. Der Lehrer kann einfach zu einem Hangout einladen. Ach nein, geht nicht. Das sperrt IPhone-Besitzer aus. Mist! Dann eben WhatsApp. Eine Tafel braucht man nicht mehr. Das Script wird fotografiert und per WhatsApp verschickt. So hat auch keiner eine Ausrede. „Was heißt hier, Du hast Dein Script zuhause liegen gelassen? Du bist zuhause, Du Depp!“ Und ja, der Lehrer benutzt grammatikalisch korrekt das Partizip II von lassen. Er ist schon 45 und hat es so in der Schule gelernt.

Gleichzeitig würde das Problem der Zettel, auf denen steht „Willst Du mit mir gehen? Ja/Nein/Vielleicht/nur mit Kondom/Wohin?“ verschwinden. Ein solcher Zettel würde einfach als Umfrage in Facebook eingestellt. Der Urheber des Zettels darf sich dann unter den Antwortenden eine beliebige Person aussuchen.

Und die Stoffwiederholung vor den Abi-Prüfungen? Ist auch ganz einfach. Der Lehrer verweist einfach auf die FAQ. „Ich kann die FAQ nicht öffnen!“ – „Du musst doch nur auf den den Link bei Facebook klicken!“ – „Aber ich habe kein Facebook. Ich weiß nicht genau, wie man das macht.“ – „Macht nichts. Schau in mein Facebookprofil, das habe ich ein Howto verlinkt.“

Schade. Jener Schüler ist wirklich talentiert. Dem Unterrichtsstoff konnte er aber nicht folgen. Die Lehrer und die Schulverwaltung sind völlig ratlos. Bis heute konnte niemand eine Erklärung dafür finden, warum ausgerechnet dieser hochintelligente Schüler dem Stoff nicht folgen konnte. Leider blieb ihm dadurch das Studium verwehrt, weshalb er kein Arzt wurde, nicht in 36-Stunden-Schichten in der Klinik arbeitete, gezwungen war, ein Stück Land zu pachten, Erdbeeren anzubauen, diese zu verkaufen und auf dem Wege Millionär zu werden.

Ich sage Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, liebe Gdnoddserinnen und Gdnoddser, etwas läuft gewaltig schief. Wir müssen dringend überlegen, wie wir die moderne Technik nutzen können, um den Unterricht noch einfacher zu machen. Wenn wir dieses Problem gelöst habe, können wir die Bundesjugendspiele auch auf der Playstation stattfinden lassen und kein Kind muss mehr traurig sein, weil es nicht gewonnen hat. Man kann die Spiele schließlich jederzeit neustarten.

Herr We

Ich, Herr We, bin der Mann mit dem langen Atem, wenn es um Worte geht. Der, der sich nicht kurzfassen kann, selbst wenn er will. Meine Waffe ist das Wort und ich schwinge dies Schwert unbarmherzig auf meinem Kreuzzug für die Gerechtigkeit. Ich bin ein Mann des wohl gewählten Wortes. Einer meiner besten Freunde ist der Genitiv, mein Erzfeind das Katzenvideo, denn es beschränkt die Sprache auf lediglich drei Wörter: "Oh wie süß!!!!!" Auch setze ich mich für den Schutz der Satzzeichen und gegen deren Mißbrauch als Rudeltiere (wie im Kommentar zum Katzenvideo) ein.

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