Geh nie tief!

Liebe Gdnoddserinnen und Gdnoddser, liebe Leserinnen und Leser des Gdnoddses,

ich hörte und las gerade etwas, das mich irritierte, erschreckte. Ein guter Freund von mir, so heißt es, ist dem Tode geweiht: der Genitiv

Schon lange bemerke ich eine gewisse Nachlässigkeit in Bezug auf die Benutzung der Sprache. Schon lange bemerke ich, dass unnötig Anglizismen benutzt werden. Ich habe nichts im Grundsatze gegen Fremdwörter und Neologismen – neue Wörter, die auf welchem Weg auch immer Eingang in eine Sprache finden. Es ist auch nicht immer sinnvoll, für Fachtermini eine deutsche Übersetzung zu suchen. Es geht schließlich niemand wirklich ins Zwischennetz. Niemand geht mit seinem Rechner anschnur. Warum eine Gebäudeverwaltung aber einem Facility Management weichen muss, erschließt sich mir nicht.

Und nun heißt es, der Genitiv stürbe, weil er mehr und mehr vom Dativ, teilweise vom Akkusativ abgelöst würde.

Denke ich in Ruhe darüber nach, komme ich zu dem Schluss, dass es das eine Standarddeutsch ja nicht gibt. Es gibt deutsche Mundarten, die so weit von „Hochdeutschen“ abweichen, dass sie praktisch eine eigene Sprache sind. Oder ist außer den Schwaben irgendjemand in der Lage, einen Schwaben zu verstehen? Es gibt zig Mundarten und Dialekte, die alle ihre individuellen Eigenheiten haben. Selbst in der Grammatik. So gibt es im Berlinerischen zum Beispiel keinen wirklichen Dativ. Und keinen wirklichen Akkusativ. Beide werden kaum unterschieden. Man könnte sagen, wir Berliner hätten als dritten Fall den Objektiv. Objektiv betrachtet ist dies aber nur teilweise richtig.

Es ist mir auch gleich, wie man in Mundarten spricht. Ditt is mia schnuppe, wie der Berliner sagt. Dennoch bleibt das, was wir im Allgemeinen das Hochdeutsche nennen, und hierzu gehört auch der Genitiv.

Bitte verstehen Sie mich richtig, liebe Leserinnen und Leser, liebe Gdnoddserinnen und Gdnoddser! Ich lasse jeden reden, wie er will, obgleich es mir immer wieder die Fußnägel nach oben rollt. Dies darf jedoch die Sprache als solche nicht vom Genitiv befreien.

Leider, leider begegnen uns immer wieder schlechte Beispiele, verwenden Sprecher im TV ein Deutsch, das wahlweise schrecklich ist oder jeglichen Sinnes entbehrt. Man bemüht sich, modern zu klingen, die Jugend zu erreichen. Man ist der Jugend dabei jedoch ein schlechtes Vorbild.

Sprache, meine Freunde, ist Kultur. Sprache ist Identität. Sprache ist Geschichte. Sprache lebt, dessen bin ich mir bewusst. Sprache lebt und Sprache verändert sich. Dennoch sollten wir die Sprache nicht einfach abtun und sagen, man brauche brauchen nicht mit zu zu gebrauchen, man müssen wegen nicht mit dem Genitiv benutzen.

Sprache ist ein schützenswertes Gut. Und darum, meine Freunde, rufe ich euch auf, genau dies zu tun. Schreibt „Du“ als Anrede weiterhin groß, auch wenn der Duden sagt, ihr dürfet es klein schreiben, denn es ist höflich, den Anderen groß anzureden! Benutzt den Konjunktiv, wo er opportun ist und benutzt ihn richtig! Und rettet den Genitiv! Er ist es wert, gerettet zu werden. Denn nur des Genitivs wegen kann man in den Besitz von Schokolade kommen.

Euer/Ihr Herr We

Herr We

Ich, Herr We, bin der Mann mit dem langen Atem, wenn es um Worte geht. Der, der sich nicht kurzfassen kann, selbst wenn er will. Meine Waffe ist das Wort und ich schwinge dies Schwert unbarmherzig auf meinem Kreuzzug für die Gerechtigkeit.

Ich bin ein Mann des wohl gewählten Wortes. Einer meiner besten Freunde ist der Genitiv, mein Erzfeind das Katzenvideo, denn es beschränkt die Sprache auf lediglich drei Wörter: „Oh wie süß!!!!!“ Auch setze ich mich für den Schutz der Satzzeichen und gegen deren Mißbrauch als Rudeltiere (wie im Kommentar zum Katzenvideo) ein.

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