Gedanken am Montag


Herr We

Viel zu selten, so stellte ich fest, wird hier auf dem Gdnodds etwas geschrieben. Ein Stück weit ist dies natürlich auch meine Schuld, bin ich doch selbst auch Gdnodds-Autor. „Vielleicht“, dachte ich, „denken wir zu viel nach, wollen zu ausgefeilt schreiben.“

Und deshalb starte ich heute eine neue Rubrik: die Gedanken zum Montag – kurz, spontan, nicht seitenlang

 

Spionage:

Manchmal mache ich mir doch Sorge um die Zukunft der Menschheit. Warum?

Am Beginn steht jener Artikel: http://winfuture.de/news,83516.html

So wenig aufregend der Artikel selbst zunächst scheint, so sehr fällt dann ein Kommentar dazu in mein Auge: „Ich gebe ja zu dass ich die Verhältnisse und Gewohnheiten zB bei der Namensgebung, Reisemöglichkeiten etc in der ehemaligen SBZ nicht ganz durchdringe („37 Jahre alt“), aber was ist das denn für ein Geheimdienst, in dem Bewerber namens Leonid nicht doppelt und dreifach durchleuchtet werden?“

Ich habe zwei Fragen:

1. Warum soll Leonid K. stärker durchleuchtete werden als Fritz-Walter L.? Ich kenne die Herkunft des Leonid K. nicht, doch als deutscher Staatsbürger hat er wohl dieselben Rechte wie Fritz-Walter. Es gilt immer noch der Gleichheitsgrundsatz.

2. Wann arbeitet der Kommentator eigentlich die jüngere deutsche Vergangenheit auf? Sein wir ernsthaft und ehrlich: In der ehemaligen amerikanisch-britisch-französischen Besatzungszone hätte auch ein Leonid leben können. Aber den Wink mit der Besatzungszone verstand der Kommentator offenbar nicht.

Ein 37jähriger dürfte eigentlich nicht mehr mit der „SBZ“ aufgewachsen sein. Aber vielleicht hält er Herrn Putin noch immer für den großen Chef der Sowjetunion…

 

Einsichten:

Der Dalai Lama kam zu einer Einsicht, die mich etwas überrascht hat.

http://www.gmx.net/themen/nachrichten/panorama/92bh7zw-dalai-lama-nachfolger-suche-institution-ausgedient#.focus.Ist%20er%20der%20letzte%20Dalai%20Lama?.365.1230

Die Institution des Dalai Lama hat ausgedient?

Ich bin kein Buddhist und kann kein wirkliches Urteil darüber abgeben. Doch weckt diese Einsicht ein hohes Interesse bei mir. Der „oberste Hirte“ des tibetanischen Buddhismus hält sein Amt für überholt und überlebt! Das muss man erst einmal sehen.

Und ich bin bereit, dem Dalai Lama grundsätzlich Recht zu geben und diesen Gedankengang auch anderen nahezulegen, ganz gleich, zu welcher persönlichen Einsicht sie kommen.

Welche Daseinsberechtigung – nichts für ungut – hat zum Beispiel der Papst noch? Seit Jahrhunderten schaffen es die Protestanten auch ohne Papst. Die lutherischen Protestanten zumindest, die anglikanischen Protestanten haben ja immer noch ihre geliebte Königin als „Päpstin“, als Kirchenoberhaupt.

Sagt an, liebe Gdnodderinnen und Gdnoddser, liebe Gdnodds-Leserinnen und -leser, ist ein religiöses Oberhaupt als Person noch zeitgemäß? Wäre ein regelmäßig zusammenkommendes Konklave, dass wichtige religiöse Themen diskutiert nicht sinnvoller? Ist eine Institution wie der Vatikan tatsäschlich für das Seelenheil der Gläubigen essentiell?

Ich finde nicht.

 

Trends:

Motorola stellt sein neues Flaggschiff vor, das Moto X (2nd Generation).

Es sei Motorola vergönnt, erfolgen solche Vorstellungen doch allenthalben von jedem Hersteller: das iPhone 6, das Galaxy S5, das Sony Xperia Z3…

Nun fragte mich Herr Ess heute im Zusammenhang mit dem letzteren Smartphone: „Aber warum dann überhaupt ein Z3? Den Sinn versteh ich nicht. Nur um das Z2 und dessen Käufer alt aussehen zu lassen?“

Eine gute Frage, die eine Antwort verdient. Allerdings ist die Antwort auch einfach: Weil der Markt es hergibt.

In einer Zeit, in der jeder Hersteller einmal jährlich ein neues Flaggschiffmodell auf den Markt wirft, kann es sich kein Hersteller leisten, dies nicht zu tun. „Oh! Sony hat kein neues Handy herausgebracht! Dann muss ich wohl zu einem anderen Hersteller wechseln.“

Im Zwiegespräche stellen Herr Ess und ich wieder und wieder fest, dass die Smartphones immer leistungsfähiger werden (finden hierfür aber keine zwingende Notwendigkeit), wirkliche Innovationen aber eher ausbleiben. Ein Fingerabdrucksensor (am iPhone 5s und bei Samsung)? Braucht man den? Oder wird hier fragwürdige Sicherheit als einfach nur als absolutes Must-have dargestellt?

Bei einem so kurzen Produktzyklus wiederum kann es keine großen Inovationssprünge geben. Vergleichen wir die Smartphone-Generation von 2019 mit der von 2011, werden uns viel eher Innovationen auffallen. Aber bei einem jährlich neuen Flaggschiff sind diese Schritte klein bis quasi gar nicht vorhanden. Und ich spreche von etwas wirklich Neuem, nicht nur von einem bunteren Display.

Aber die Menschen kaufen zombiehaft immer das neueste Produkt, weil das Mobiltelefon längst wieder ein Statussymbol ist. Und so lange der Mensch hier nicht nachdenkt, wird sich die Industrie an den jährlich erscheinenden neuen Namen eine goldene Nase verdienen.

 

Der böse Russe:

Es tagte der NATO-Gipfel und beschloss anhand der Beweislage, dass Russland eine Bedrohung darstelle. Man will wieder gegen Russland aufrüsten (siehe: http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-09/nato-gipfel-ukraine-islamischer-staat-reaktionen).

Russland plant eine großangeleget Invasion in der Ukraine, hieß es. Doch andererseits: http://www.heise.de/tp/artikel/42/42680/1.html

Ich fühle mich auch gerade an Massenvernichtungswaffen im Irak erinnert. Will Russland seinen Einflussbereich ausdehnen? Vielleicht ja. Finde ich das gut? Nicht unbedingt. Ist es illegitim? NEIN!

Europa hätte gerne die Ukraine im Boot. Bei weitem nicht alle Ukrainer wollen das. Russland will sich nicht unterbuttern lassen, sich nicht seinen eigenen Einfluss nehmen lassen. Ich will Herrn Putin nicht in Schutz nehmen, aber haben wir das Recht, Russland eine Einflusssphäre abzusprechen? Haben wir das Recht, uns in der Ukraine einzumischen und Russland dasselbe zu verbieten, nur weil es uns nicht passt?

Erneut mache ich mir ernsthafte Sorgen um die Menschheit, denn wir steuern auf einen neuen Kalten Krieg zu. Und es verhält sich nicht so, dass wir Russland die Schuld dafür geben können. Der Westen verhält sich mit seiner antirussischen Haltung nicht bedeutend besser.

Und gerade in Anbetracht der offensichtlichen Bedrohung durch die IS wäre es eigentlich wichtig, wenn NATO und Russland an einem Strang ziehen würden. Vielleicht würde das auch die Lage in der Ukraine zu beruhigen helfen. Die Ukraine ist ein Spielball der Großmächte geworden und das ist nicht gut.

 

Tugend:

Kennt sich eigentlich jemand wirklich mit dem Islam aus? Ich kann von mir mit Fug und Recht sagen: Ich nicht. Ich habe keine wirkliche Ahnung.

Um so bedenklicher finde ich solche Entwicklungen: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014-09/salafisten-scharia-polizei-wuppertal-islamisten

Mich selbst stört der Islam genauso wenig wie das Juden- und das Christentum, der Buddhismus, der Atheismus und wie sie alle heißen. Aber durch die Straßen zu gehen und andere Menschen des Verstoßes gegen die eigenen Wert- und Moralvorstellungen anzuklagen, geht überhaupt nicht. Das geht noch weniger, als Freunde auszuspionieren. Es ist eindeutig das falsche Signal und wird keinen Frieden bringen.

Im Gegenteil werden sich alle pauschalen Gegner des Islam bestätigt fühlen und es gibt einen neuen Grund, Angst vor dieser Religion zu schüren. „Seht ihr? Alles Radikale, diese Islamisten!“

Die Aussage wäre wörtlich genommen nicht einmal falsch. Leider werden die Muslime oft fälschlicherweise als Islamisten pauschalisiert. Drum bitte ich euch, ihr Menschen dort draußen in der Welt: FÄLLT EUER URTEIL NICHT NACH DIESEN IM VERHÄLTNIS WENIGEN ANHÄNGERN EINER RELIGION! Denn ich fälle mein Urteil auch nicht nach radikalchristlichen Kreationisten aus dem Süden der USA und verdamme deshalb das Christentum. FÄLLT EUER URTEIL NACH DEN VIELEN GLÄUBIGEN, DIE FRIEDLICH IN UNSERER MITTE LEBEN UND ÜBER AUSWÜCHSE WIE DIE SHARIA-POLIZEI EBENSON AUFGEREGT DEN KOPF SCHÜTTELN WIE WIR!

 

Es gibt sicherlich noch viel zu berichten und zu bedenken. Doch obliegt es auch Euch, Ihr Damen und Herren dort draußen, Gedanken zu formen und sie zu äußern.

Insofern verbleibe ich eine schöne Woche wünschend –
Herr We

Herr We

Ich, Herr We, bin der Mann mit dem langen Atem, wenn es um Worte geht. Der, der sich nicht kurzfassen kann, selbst wenn er will. Meine Waffe ist das Wort und ich schwinge dies Schwert unbarmherzig auf meinem Kreuzzug für die Gerechtigkeit. Ich bin ein Mann des wohl gewählten Wortes. Einer meiner besten Freunde ist der Genitiv, mein Erzfeind das Katzenvideo, denn es beschränkt die Sprache auf lediglich drei Wörter: "Oh wie süß!!!!!" Auch setze ich mich für den Schutz der Satzzeichen und gegen deren Mißbrauch als Rudeltiere (wie im Kommentar zum Katzenvideo) ein.


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