Gedanken am Montag


Herr We

Es ist schon Dienstag, doch ist dies kein Grund eine liebgewonnene Tradition wie die Gedanken zum Montag aus dem Sinn zu verlieren. Nun denn…

Schottland:

Am Donnerstag ist es soweit: Die Schotten stimmen über ihre Unabhängigkeit von Großbritannien ab. Böse Zungen witzeln, Großbritannien hätte dann schlagartig 20cm weniger Niederschlag im Jahr.

Ich sympathisiere grundsätzlich mit den Schotten, das ist kein Geheimnis. Doch andererseits regen sich in mir Bauchschmerzen, denke ich an die wirklichen Folgen. Ich kann sie nämlich nicht absehen.

Welche Währung wird Schottland im Falle seiner Unabhängigkeit haben? Lässt man den Schotten übergangsweise das britische Pfund? Bekommt Schottland den Euro? Gibt es in Schottland plötzlich kein Geld mehr. Würde das heißen, jeder bekommt all das, was er braucht, Kommunismus pur sozusagen?

Ist Schottland in der EU? Vermutlich müssen die Schotten die Aufnahme in die Gemeinschaft zunächst beantragen. Ähnlich wird es mit dem Euro sein.

Als ich im vergangenen Jahr auf der Busfahrt von Inverness nach Glasgow mit einem jungen Schotten sprach, schien dieser durchaus von unserer Gemeinschaftswährung erbaut. Und er war – wie wohl die meisten Schotten – wenig erbaut über Herrn Cameron. Dieser wiederum scheint die Gefahr inzwischen auch erkannt zu haben, denn einerseits erklärt er den Schotten, dass es keine Trennung auf Probe gebe sondern nur eine schmerzhafte Scheidung (http://www.gmx.net/magazine/politik/cameron-warnt-schotten-schmerzhafter-scheidung-30066256), andererseits bittet er die Schotten inständig, im Vereinigten Königreich zu bleiben.

Camerons Chancen sind in etwa so groß wie die der „Separatisten“. Mal sagen in Umfragen 51% der Schotten ja, mal 52% nein. Das Pfund ist dabei unsicher, was es tun soll. Zur Sicherheit sackte es erst einmal ein gutes Stück ab. Das ist das erste Mal, dass ich froh bin, dass die Briten sich gegen den Euro ausgesprochen haben.

Und dürfen wir das unabhängige Schottland eigentlich anerkennen? In der Ukraine sagte die EU erstmal „Nein!“. Nun mag man mir entgegenhalten, die Abstimmung in der Ukraine sei nicht rund gelaufen. Doch habe ich hierfür bisher keine Beweise gesehen.

Auch wäre die schottische Unabhängigkeit ein Signal für andere. Das Baskenland, Flandern, sogar in Bayern soll es hier und da abspalterische Tendenzen geben. Sollte sich Bayern für die Trennung von der Bundesrepublik aussprechen, sehe ich wiederum viele, viele Befürworter im restlichen Deutschland. Und wenn es nur dazu dient, dass jemand anderes als der FC Bayern München Deutscher Meister wird.

 

IP-Adressen:

Herr Patrick Beyer klagte gegen die Bundesrepublik. Er klagte dagegen, dass die IP-Adressen von Besuchern der Websites der Bundesregierung über die Dauer des Besuchs hinaus gespeichert werden.

Lieber Herr Beyer,

ich bin selbst Betreiber einer Website. Mein Webhoster loggt sämtliche Besucher meines Internetauftrittest inklusive der IP-Adresse. Irgendwann werdem die IPs um den letzten Block gekürzt und anonymisiert, aber eine Weile lang sind sie voll lesbar. Diese Logs sind vom Hoster eingerichtet und können von mir nicht umgangen werden.

WordPress speichert ebenfalls die IP-Adressen der Kommentatoren. Ohne detaillierte technische Kenntnisse, die es mir ermöglichen, den Quellcode zu verändern, ist es mir unmöglich, die Speicherung zu unterbinden.

Lieber Herr Beyer, heißt das, nur der darf problemlos eine Website betreiben, der die Speicherung der IP-Adresse wirksam unterbinden kann? Da nämlich in Deutschland für alle das gleiche Recht gilt, würden Sie im Falle eines Erfolges mit Ihrer Klage implizit jeden dazu verpflichten, die Speicherung über den Besuch hinaus zu unterbinden.

Ich glaube, datenschützerischer Aktionismus gegen die Obrigkeit ist nicht immer gut.

 

Pistorius:

Erinnern Sie sich? Olympiateilnehmer und Paraolympionik Oscar Pistorius wurde angeklagt, seine Gattin durch die geschlossene Badezimmertür ermordet zu haben. Herr Pistorius hingegen beteuerte seine Unschuld. Er hätte seine Gattin für einen Einbrecher gehalten. Die Richterin glaubte ihm und verurteilte den Sportler nicht wegen Mordes sondern wegen Totschlages.

http://www.gmx.net/magazine/panorama/richterin-opfer-30068560

Und nun wird die Richterin also angefeindet. Hätte sie ein Urteil wegen Mordes gefällt, wäre sie vermutlich von anderen ähnlich angefeindet worden. Ehrlich: Ich beneide die Richterin nicht darum, den Vorsitz in diesem Prozess gehabt zu haben, denn sie konnte eigentlich nur verlieren.

Es gibt so ziemlich überall Zeugenschutzprogramme für Kronzeugen. Hier haben wir ein gutes Beispiel dafür, dass es auf „Richterschutzprogramme“ geben müsste. Verdammt, die Frau hat ihren Job gemacht! Ich dachte, Südafrika hätte sich verändert. Aber ich irrte da offensichtlich. Ich wünsche Frau Masipa jedenfalls alles Gute. Es darf nicht sein, dass eine Richterin unter Polizeischutz gestellt werden muss. Du gute Güte! Ist die Menschheit wirklich so primitiv?

 

Und der Knaller:

Google darf sich weiter Google nennen! Hurra! Sie glauben es nicht? Ist aber so. Jemand klagte in Amerika auf die Löschung der Marke Google, weil das Verb „to google“ ein generischer Begriff sei und die Marke somit hinfällig sei.

http://winfuture.de/news,83629.html

Ich versuche das mal auf die Reihe zu kriegen: Eine Firma ist im Internet so erfolgreich, dass man gleich ein Verb nach ihr nennt. In der Folge soll der Name zu einem generischen Begriff geworden sein und die Marke des Unternehmens somit hinfällig. Geht’s noch?

Was war zuerst da? Die Henne oder das Ei? In diesem Fall war es Google. Ohne die Marke gäbe es das generische Wort „googeln“ bzw. „to google“ nicht. Und was hat das Eine eigentlich mit dem Anderen zu tun?

Es gibt Tage, an denen ich mich über unsere manchmal zu peinlich genauen Gesetze freue. Zwar ist die „App“ auch in Deutschland ein generischer Begriff (nämlich die Verkürzung des Wortes Application – Anwendung), aber ein Markenlöschungsantrag wegen eines aus der Marke hervorgegangenen Verbes oder Adjektivs oder sonstigen gemeinsprachlichen Terminus würde wohl hier nicht einmal vor einem Gericht landen sondern gleich abgeschmettert werden.

Herr We

Ich, Herr We, bin der Mann mit dem langen Atem, wenn es um Worte geht. Der, der sich nicht kurzfassen kann, selbst wenn er will. Meine Waffe ist das Wort und ich schwinge dies Schwert unbarmherzig auf meinem Kreuzzug für die Gerechtigkeit. Ich bin ein Mann des wohl gewählten Wortes. Einer meiner besten Freunde ist der Genitiv, mein Erzfeind das Katzenvideo, denn es beschränkt die Sprache auf lediglich drei Wörter: "Oh wie süß!!!!!" Auch setze ich mich für den Schutz der Satzzeichen und gegen deren Mißbrauch als Rudeltiere (wie im Kommentar zum Katzenvideo) ein.


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