Bahnstreik


Herr Ess

Ich muss mal zu diesem Thema was los werden. Die Presse (ich bezeichne sie nicht als Lügenpresse) berichtet mir zu einseitig in dieser Phase der Auseinandersetzung. Dagegen steht eine, aus meiner Sicht, miserable Öffentlichkeitsarbeit der GDL.

Vorab aber zwei Klarstellungen:
1. Ich halte die Gewerkschaften für nahezu überholte Institutionen die in ihrem ursprünglichen Sinne (Eine Gewerkschaft ist eine Vereinigung von in der Regel abhängig Beschäftigten zur Vertretung ihrer wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen. Manche Gewerkschaften vertreten auch Selbstständige. In Deutschland tut das die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. – Wikipediaartikel Gewerkschaft). Wir haben die Zeit in denen wir von Menschen die Arbeiten und trotzdem unter der Armutsgrenze liegen verlassen. Wir haben uns alle nur ein wirtschaftliches und soziales Polster angewöhnt ohne das wir nicht mehr Leben wollen. Die Gewerkschaften sichern seit langem nicht mehr die Lebensweise der Menschen, sie sichern nur das stetige Wachstum der Löhne und Gehälter. Das dies eine Berechtigung hat und auch in Maßen erforderlich ist will ich nicht abstreiten. Jedoch ist die Gewerkschaft nicht mehr zwingend notwendig um Lebens- und Arbeitsbedingungen so anzupassen das sie menschenwürdig sind.
2. Halte ich einen Gewerkschaftsboss, der seine Forderungen von Runde zu Runde zu verändern scheint bzw. derzeit ungenügend öffentlich macht und politische Interessen einfließen lässt für nicht vertretbar.

Jetzt aber zu dem Streik. Streik ist und bleibt ein Grundrecht um im Kampf für menschenwürdige Bedingungen den Arbeitnehmern und zur Verteidigung Ihrer Grundrechte auf soziale Interessen gegenüber dem Arbeitgeber. Dieses Grundrecht darf nicht beschnitten werden. Auch wenn wir sicherlich die Zeit der menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen hinter uns gelassen haben. Die meisten schlechten Arbeitsbedingungen rühren derzeit eher durch den Umgang der Kollegen untereinander her, dazu zähle ich auch das Verhältnis Chef und Mitarbeiter. Ich finde es sollten in diesem Falle eigentlich mehr Gewerkschaften mit Aktionen in Erscheinung treten um sich nicht die Möglichkeit die Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten nehmen zu lassen. Warum geschieht das nicht? Hier müssten die Gewerkschaften offen zu Demonstrationen aufrufen. Hier sollten dringend einige Stellen in Streik treten die für die Politiker und die Wirtschaftsbosse von Interesse sind. Ich kann den Herrn Weselsky auch nicht mehr hören uns sehen. Ich bin erzürnt darüber wie er das Volk in einem Punkt verärgert wo das Volk hellhörig werden sollte. Er nimmt damit den Menschen die Möglichkeit sich dagegen aufzulehnen die Beschneidung von Grundrechten abzulehnen in dem er sich selber immer mehr als negativ und seine Forderungen als überzogen vermarkten lässt. Auch seine öffentlichen Reden bringen den Ottonormalverbraucher nicht mehr auf seine Seite. Er ist rhetorisch nicht gewand genug um die negativen Schlagzeilen und die negativen Folgen seines Arbeitskampfes zu überwinden.

Ich möchte nur, dass sich jeder der im Moment so gegen diese Streiks ist bewusst macht um was es im Hintergrund geht. Leider vewrschlimmert Herr Weselsky das ganze nur als das er vernünftig erklärt warum diese ganze Sache so wichtig ist.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/streiks-bei-bahn-und-lufthansa/bahnstreik-claus-weselsky-ist-nicht-durchgeknallt-13585203.html?fb_action_ids=831963650205474&fb_action_types=og.shares

http://www.heise.de/tp/artikel/44/44921/1.html
Hier bitte mal unbedingt auf der letzten Seite den vorletzten Satz durchlesen. (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/trotz-schlechtem-jahr-bahn-vorstaende-verdoppeln-ihre-erfolgspraemien/11524652.html)

http://www.heise.de/tp/artikel/44/44842/1.html

Ich bin hier sicherlich etwas zu wenig auf die Bahn eingegangen. Dazu muss ich aber auch der GDL negativ ankreiden, dass die Hintergründe und genauen Darlegungen warum die Angebote der Bahn nicht in Ordnung sind nur sehr pauschalisiert abgehandelt werden. Ich finde selbst auf der GDL Seite keine informativen Artikel was genau die Angebote der Bahn so ablehnenswert macht. Auch finde ich wenig genaue Aussagen welche Angebote die Bahn überhaupt gemacht hat und welche Forderungen die GDL genau gestellt hat. Leider hat die Bahn hier die postive Presse mal auf ihrer Seite. Das jedoch wird nicht durch gute Publikationen der GDL verhindert. In der Presse sind auch leider zu wenige Journalisten die hier auch auf die Hintergründe eingehen. Es wird zu wenig gezeigt wo der ganze Tarifeinheitenkonflikt wirklich hinführt

Wir befinden uns in einer schwierigen politischen Lage. Es werden immer mehr Gesetzesvorlagen geschaffen die eine Aushebelung von Grundrechten beinhalten. Dies führt zu weitern Unmündigkeiten der Bürger und damit die Abschaffung der Demokratie im weitesten Sinne. Die Menschen die mich jetzt schon länger kennen werden das Zitat schon einmal gelesen haben. Jedoch hat sich an der Grundaussage nichts verändert und daher will ich es hier noch einmal hervorholen.

Freiheit ist für mich ein leeres Wort, wenn man nicht hinzufügt: Frei wovon und frei wozu. Denn Freiheit ist eine gerichtete Kraft. Heute sehe ich die Gefahr, dass sich die Kraft der Freiheit verliert, weil es ihr an Ziel fehlt. Mit dem Begriff Freiheit ist es ähnlich wie mit dem Begriff Demokratie. Man sagt Demokratie und meint Kapitalismus. Es geht gar nicht um Demokratie in des Wortes ursprünglicher Bedeutung, also um Volksherrschaft. Im Gegenteil: Die Demokratie als Staatsform ist so kunstvoll konstruiert, dass das Volk möglichst von den Entscheidungen fern gehalten wird. In der Wirtschaft, im Militär, in der Justiz herrschen Autokratie statt Demokratie. Es sind in Wirklichkeit nur begrenzte Gebiete, in der Demokratie wirksam wird, und selbst da nur partiell. Das Wort Parlament beispielsweise bedeutet doch, dass man miteinander spricht, aber findet das wirklich statt? Im Parlament geht es längst nicht mehr darum, sich gegenseitig über den besten Weg zur Lösung eines Problems einig zu werden. Stattdessen weiß jede Seite von vornherein, wie sie in den Saal hinein- und wieder aus ihm hinausgeht. Ich habe das Gefühl, dass die edle Funktion dieser Institution, in der man auf die Argumente des Anderen hört, stark geschwächt ist. Auch da scheint mir die Demokratie nicht auf ihrem besten Wege zu sein.http://www.berliner-zeitung.de/archiv/ein-gespraech-mit-dem-filmregisseur-und-defa-mitbegruender-kurt-maetzig–der-heute-hundert-jahre-alt-wird-und-dennoch-glaube-ich,10810590,10767608.html

Genau diesen Punkt, dass beide Seiten vorher wissen wie sie in eine Verhandlung hineingehen und wieder herauskommen, will das Tarifeinheitengesetz stärken. Es gibt damit den Unternehmen die Möglichkeit sich mit der friedlichsten Gwerkschaft zu einigen und die anderen ohne Rücksicht auf ihre Forderungen zu zwingen den Tarifvertrag anzuerkennen. Das ist auch wie in dem Zitat geschrieben, Man sagt Demokratie und meint Kapitalismus.

Ich will hier in keinem Fall für die Streiks werben, aber ich möchte wenigstens ein paar Hintergünde liefern und jeden bitten selber zu schauen warum wir derzeit mit so vielen Streiks belastet werden.

geboren gelebt noch nicht gestorben


3 Senfkörner zu “Bahnstreik”

  • Herr We Herr We sagt:

    Ich gebe zu, dass auch ich einseitig informiert bin. Ich will an dieser Stelle auch anmerken, dass ich grundsätzlich FÜR Gewerkschaften, FÜR den Arbeitskampf und im Zweifelsfall auch FÜR Streiks bin. Wenn ich jedoch so beginne, ist klar, dass es ein Aber geben muss. Also: Aber…

    …um in dieselbe Kerbe zu schlagen wie Sie, werter Herr Ess, frage ich mich, wofür Herr Weselsky eigentlich steht. Ich habe ein ernsthaftes Problem mit diesem Mann.

    Es geht der Bahnchef persönlich auf die Gewerkschaft zu und macht ein Angebot. Also normal denkender Mensch würde ich jetzt sagen: „Gut, dann müssten Arbeitgeber und -nehmervertreter ja jetzt erst einmal parlieren.“ Ich habe übrigens über die Herkunft und Bedeutung des Wortes Parlament noch so genau nachgedacht. Egal.

    Ich erwarte also ob des Bahnangebotes ein Parley, doch was höre ich prompt (einseitig in der Presse)? Die Gewerkschaft sagt „Nein!“ Es ist nicht genug. Nur weiß ich immer noch nicht, was denn genug wäre. Ich weiß nicht, worum es eigentlich geht.

    Und hier haben wir ein grundsätzliches Problem. Eigentlich sogar zwei grundsätzliche Probleme.

    Zum Einen sehe ich hier fehlende Transparenz. Ich erfahre nicht genau, was die Bahn wirklich anbietet, ich erfahre nicht, was die Gewerkschaft will. Ich kann also gar nicht objektiv einschätzen, ob ich den Streik moralisch unterstützen kann.

    Zum Anderen fehlt eine objektive, vorurteilsfreie und unabhängige Berichterstattung in den Medien. Zwar sollten diese theoretisch unabhängig sein, sie erscheinen aber nicht so.

    Machen wir uns nichts vor: Der Springerverlag ist eher unionslastig. Die Berichterstattung erscheint dort eher auf der Bahnseite. Oder viel mehr auf der Seite der Bahnkunden, denen man den Bahnsinn (Bitte entschuldigen Sie dieses BILD-Zitat!) nicht mehr zumuten kann. Die TAZ ist eher links orientiert. Selbst die oben zitierte FAZ erscheint mir nicht gänzlich unparteiisch. Nun gut, es ist ein Kommentar und Kommentare spiegeln naturgemäß eine Meinung wider. Wo aber bleiben die harten, vorurteilsfrei recherchierten Fakten? Wo ist der Artikel, der sagt, die Bahn biete dies und die GDL wolle jenes, weshalb sie das Bahnangebot ablehne?

    Ich gebe zu, dass ich trotz meiner oben beschriebenen Grundsatzhaltung in dieser Angelegenheit NICHT mit der Gewerkschaft sympathisiere. Im Gegenteil erscheint mir das Auftreten und Gebahren des Herrn Weselsky eher wie ein Machtspiel. Es fing damit an, dass er seine Lokführer dafür streiken ließ, auch für die in einer anderen Gewerkschaft organisierten Bahnmitarbeiter verhandeln zu dürfen. Wie jetzt? Darum geht es? Nicht um Löhne, Urlaubszeiten und das Wohlbefinden derer, die sich der GDL anvertrauten? Im Spiel der Throne gewinnst Du oder Du stirbst. Und solche Machtspiele bedeuten über kurz oder lang den politischen Tod.

    Wie gesagt: Ich bin grundsätzlich FÜR Gewerkschaften, Arbeitskampf und Streiks und ich widerspreche in Teilen der Aussage, dass all dies überholt ist und die Zeiten vorbei sind. Sicherlich handelt es sich oft um eine Art „Jammern auf hohem Niveau“. Aber wenn das Geld immer weniger wert wird – Inflation nennt man dies – muss dem in der Lohnentwicklung in vernünftigem Maße (!) Rechnung getragen werden.

    Allerdings scheinen die Gewerkschaften – so zumindest im Blick der Öffentlichkeit – immer mehr zum Selbstzweck zu werden. Gerade am Beispiel der GDL sehe ich eine Person, die sich ins Licht der Öffentlichkeit rückt und sich profiliert, nicht aber wirklichen Arbeitskampf. Wie gesagt, es liegt dies an fehlender Transparenz seitens der Gewerkschaft und an einer mangelhaften Berichterstattung.

    Interessant finde ich übrigens dieses Zeit von BILD online (ja, für solche Zwecke ist die BILD gut, zumal sie immer schon vorher weiß, was passiert): „Beide Seiten hätten den ganzen Dienstag mit dem früheren Vorsitzenden Richter am Bundesarbeitsgericht, Klaus Bepler, beraten und vereinbart, die Gespräche kurzfristig fortzusetzen, sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß heute in Berlin. Alle drei Parteien hätten Vertraulichkeit vereinbart. Wann und wo die Geheimgespräche weiter gehen, ist nicht bekannt. Weder die Deutsche Bahn noch die GDL verrieten Details aus den bisherigen Gesprächen.“

    Wenn man sich auf Gespräche geeinigt hat, warum wird dann gestreikt? Ist der Streik nicht das Mittel, das zum Zuge kommt (Ja, mir ist die Ironie dieser Äußerung in Bezug auf die Bahnstreiks bewusst!), wenn die Gespräche fruchtlos sind?

    Und noch etwas fällt mir auf: Wir reden über die Streiks bei der Bahn. Aber was ist mit dem Rest der Welt? Der Arbeitskampf der Lokführer erscheint wundervoll geeignet, die anderen Schrecken dieser Welt, die vielleicht sogar schrecklicheren Schrecken dieser Welt vergessen zu machen.

  • Herr Ess sagt:

    Meine Meinung bzgl. der Gewerkschaften und deren Funktion in der heutigen Zeit wird sich derzeit nicht ändern. Herr We, wir gehen beide in die selbe Richtung. Wir sehen den Sinn einer Organisation, welche sich für die Bedürfnisse der Arbeitnehmer einsetzt ein. Wir sehen auch ein, dass bei realer Preiserhöhung der Waren des täglichen Bedarfs auch eine reale Erhöhung der Löhne und Gehälter gegenüberstehen muss. Wir sehen beide aber auch, dass die Gewerkschaften in Ihrer derzeitigen Struktur und ihrer eigenen Einschätzung Ihres Wertes in der Gesellschaft überholt sind. Ich finde um das Land wirtschaftlich voran zu treiben und dabei die Menschen mitzunehmen muss es immer wieder eine Anpassung an die Lebensrahmenbedingungen geben.

    An meiner Aussage, dass die Zeiten in denen die Gewerkschaften sinnvolle Organisationen zum Verbessern der Arbeits- und Lebensbedingungen waren vorbei sind, halte ich fest.
    Dies tue ich aus der Ansicht heraus, dass die Gewerkschaften selber immer auf „unmenschliche“ Arbeitsbedingungen hinweisen. Daher muss ich einfach, für mich, feststellen, dass dies überholt ist. Wir haben in Deutschland nicht immer sehr gute oder hervorragende Arbeitsbedingungen, aber eben auch keine mehr wie sie in den 50er Jahren im Ruhrpott noch gang und gebe waren. Ich selber bin davon betroffen, dass ich in einem Unternehmen arbeite in dem es keine Organisation gibt die sich um Lohn- und Gehaltsanpassungen kümmert. Ich habe in der Zeit (mehr als 10 Jahre) nur eine Gehaltsanpassung bekommen. Ich habe auch sehr explizit betont, dass ich dies unterstütze, in jeder Form. Dazu zählen sicherlich auch die Rahmenarbeitsbedingungen wie Urlaub und Überstundenausgleich etc..

    Bei diesem ganzen Prozess des Bahnstreiks musste ich eben auch die Dinge wie Herrn Weselsky und das Tarifeinheitengesetz streifen. Ich fand, nachdem ich mich etwas mehr mit dem derzeitigen Stand der Forderungen und Angebote versucht habe auseinanderzusetzen, dass diese beiden Themen die eigentlichen Schwerpunkte sind.

    Wie wir wiederum Beide feststellten hat die GDL und auch speziell Herr Weselsky versäumt eine eigene Transparenz der Gespräche einzuhalten. Durch gute Pressearbeit oder Schmierung der richtigen Druckstellen im Räderwerk der Presse hat die Bahn im Moment einen recht guten Stand beim Volk. Die meisten die ich kenne sind eher negativ gegenüber der GDL eingestimmt.

    Der eigentlich schlimme Punkt den ich hier hervorheben wollte ist eben dieses Tarifeinheitengesetz. Bei diesem Punkt kam ich eben auf das Zitat mit dem Parlament. Eigentlich sollte doch eine Sitzung zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft immer eine gewisse Konfrontation beinhalten. Hier muss die Gewerkschaft versuchen die Arbeits- und Lebensbedingungen ihrer Mitglieder verbessern und die Wirtschaft muss versuchen die Löhne und Gehälter niedrig zu halten um preiswerter für den Markt produzieren zu können. Wenn jedoch das Tarifeinheitengesetz wirklich verabschiedet wird, dann wäre in diesem Fall ein solcher Bahnstreik durch die GDL rechtlich falsch und könnte geahndet werden. Da ja in diesem Fall die EVG bereits einem Tarifvertrag für die Arbeitsgruppe der Arbeiter die in einem Lokführerstand sitzen zugestimmt haben. Das ist aus meiner Sicht eine Sache, die in einem Demokratischen Staat nicht vorkommen darf. Die GDL hat das Recht ihre Mitglieder zu vertreten wie diese es wirklich wollen. Egal ob andere dort anderer Meinung sind. (Wobei ich aus Sicht eines Unternehmens es für schwierig erachte verschiedene Löhne und Gehälter, aufgrund unterschiedlicher Gewerkschaftszugehörigkeiten, zahlen zu müssen. Doch dieses Thema möchte ich eigentlich weglassen aus dieser Diskussion.

  • Herr We Herr We sagt:

    Genauer darüber nachdenkend komme ich mit meinem gefährlichen juristischen Halbwissen auf noch einen anderen Gedanken:

    So ein Tarifvertrag ist… Genau: ein Vertrag. Dem BGB nach, welches auch Grundlage für das Arbeits(vertrags!)recht ist, herrscht in Deutschland Vertragsfreiheit.

    Heißt:
    – Das Tarifeinheitengesetz verstößt mit großer Wahrscheinlichkeit gegen das Grundgesetz (freie Ausübung des Berufes, wozu auch zählt, mich in einer anderen Gewerkschaft organisieren zu dürfen, die mit dem Arbeitgeber 2% weniger Lohn und 270 Tage mehr Urlaub aushandelt, wenn der sich darauf einlässt).
    – Wenn es einen Tarifabschluss zwischen der EVG und der Bahn gibt, besteht ein rechtsgültiger Vertrag, der mit diesem Gesetz u.U. nichtig würde. Das Tarifeinheitengesetz verstieße also auch gegen geltendes Vertragsrecht, denn das BGB räumt meines Wissens nach keine Einschränkung des Vertragsrechts durch eine andere Rechtsnorm ein. Zumindest nicht in der Form, dass vorgeschrieben wird, wer mit wem einen Vertrag schließen darf (die jeweilige Geschäftsfähigkeit vorausgesetzt).

    Dennoch: Dieser Tarifstreit ersetzt ein wenig die Fußball-EM 2012. Wir schauen alle auf Bahn und GdL und sehen gar nicht mehr, welchen Unsinn die vicarii populi sonst treiben. Den Medien sei Dank!

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