Allgegenwärtiger Sexismus

Es mag eine zufällige Koinzidenz sein, doch nach dem Skandal um Harvey Weinstein scheint die allgegenwärtige Sexismusdebatte wieder hochzukochen. Sie erinnern sich? Vor ungefähr einem Monat wurde dem mächtigen Hollywood-Magnaten sexuelle Belästigung und ich glaube auch Vergewaltigung vorgeworfen.

Kaum manifestierte sich ein Vorwurf, gerieten andere prominente Männer vor demselben Hintergrund ins Rampenlicht und einmal mehr diskutiert man öffentlich wieder den Sexismus gegenüber Frauen. Eine Diskussion, die ich keineswegs zerreden und aufhalten will, die keineswegs überflüssig ist. Eine Diskussion dennoch, die teilweise seltsame Blüten treibt.Gefunden bei Twitter:

Universitäten werden zu Schulen der Unfreiheit, sagt die Welt und ich schließe mich dieser Meinung an. Wir leben offenbar in einer Gesellschaft, die mit zweierlei Maß misst, die religiöse Tabus in Bezug auf Nacktheit einerseits nicht tolerieren will, andererseits die eigene Prüderie vergangener Jahre durch schlicht durch (in meinen Augen falsch verstandenen) Feminismus und Sexismusvorwürfe ersetzt.

Ich frage mich in der Tat auch, was an den Bildern im obigen Tweet sexistisch ist. Ich frage mich in der Tat auch, ob der Vorwurf der Objektifizierung nicht seinerseits die nackte Frau auf dem Bild objektifiziert.

Andererseits erscheint mir die gesamte Sexismusdebatte sehr einseitig und sehr sexualitätsbezogen. Zumindest in der Form, wie sie in den Medien geführt wird. Unreflektiert werden Männer, die Frauen belästigen (zu Recht) als sexistisch bezeichnet. Das war es aber auch schon. Um so erfreuter bin ich über einen Blogartikel der Autorin Zoe Beck:

Sexismus, jeden Tag

Sexismus hat nichts mit Sex zu tun. Es geht um das Geschlecht und man begegnet ihm überall und allenthalben.

Da ist beispielsweise die Frauenquote. Liebe Frauen, wollen Sie wirklich eine Anstellung, weil man dort eine Quote erfüllen muss? Oder wollen Sie die Anstellung nicht lieber Ihrer Qualifikation wegen? Ich persönlich fühlte mich in einem Frauenteam, in dem ich eine Männerquote erfülle, vielleicht nicht so wohl. Oder auch doch. Kommt auf die Kolleginnen an und darauf, ob sie mich als Quotenmann oder als gleichberechtigt ansehen.

Da ist dieser Genderwahnsinn. Das Stundentenwerk wird in Studierendenwerk umbenannt, weil nur das political correct ist. Weil so männliche, weibliche, intersexuelle und auch Transgender-Studenten vom Namen erfasst werden. Meinetwegen. Hier hat man wenigsten noch einen neutralen Begriff gefunden. Woanders schafft man verkrampft eine weibliche Form zu einem ursprünglich maskulinen Substantiv und handelt damit genau genommen immer noch sexistisch: Intersexuelle und Transgender sind immer noch außen vor.

Quoten und Genderwahnsinn sind sicher gut gemeint und noch nicht der große Sexismus. Aber es gibt da noch etwas, worüber aus mir unklaren Gründen nicht wirklich gesprochen wird.

Kennen Sie die dummen Witze über die Männergrippe? All das Gerede, dass die Frauen doch in Wirklichkeit das stärkere Geschlecht sind? Erwartungen, die an einen Mann gestellt werden, weil er ja ein Mann ist?

Lassen Sie mich zunächst eine Sache klarstellen: Es gibt keinen Männerschnupfen! Das ist medizinischer Unsinn.

Trotzdem hält sich das Klischee, Männer würde beim kleinen Anflug von Schnupfen gleich sterben, hartnäckig. Wir sterben nicht am Schnupfen und das wissen wir auch! Hört auf, liebe Frauen, uns derartiges nachzusagen!

Sind die Witze, die von den Powerfrauen der Comedy-Szene darüber gemacht werden, die ach so lustigen Bilder, die im Internet kursieren und bei jeder Gelegenheit (übrigens meist von Frauen) der gesamten Welt über bekannte Messenger-Apps und vermutlich auch Facebook geteilt werden noch lediglich nervig, ist die Bloßstellung der Männer in der Werbung der Pharmaindustrie schon diskussionsbedürftiger.

Dann wäre da die AfD. Ja, die AfD ist sexistisch in ihrem Frauenbild. Glaube ich. Ich lassen mich gerne eines besseren belehren. Sexistisch auch gegenüber uns Männern. Es geht mir aber nicht um jene Partei, keine Angst. Eher „personifiziert“ die AfD etwas, das noch in unser aller Köpfe ist.

Zwar sagen die meisten, es sei eine veraltete Einstellung, dass „die Frau an den Herd“ gehöre, doch was ist eigentlich, wenn ein Mann beschließt, mit dem Kind zuhause zu bleiben?

Man schaut den Mann erstaunt an. Die einen schütteln wahrscheinlich den Kopf, weil das in ihrer Welt ja Aufgabe der Frau ist. Die anderen staunen: „Du nimmst die Elternzeit? Wow! Das ist ja toll!“

Ja, ist denn einem Mann nicht zuzutrauen, mit dem Kind zuhause zu bleiben, während die Frau die Brötchen verdient? Ist ein Mann, der so etwas tut wirklich besonders? Ich glaube, kein Mann, der in die Elternzeit geht, tut dies, um heldenhaft zu wirken. Er tut dies dem Kinde und der Familie zuliebe. Und trotzdem ist man erstaunt, denn die Gesellschaft erwartet immer noch, dass der Mann der Ernährer ist.

Ernährer ist ein Stichwort. Es fragte mich neulich eine Kollegin, ob meine Freundin denn auch für mich etwas koche. Offenbar sind tatsächlich auch Frauen sexistisch, weil sie a) uns Männern nicht zutrauen, dass wir und ernähren (sprich: kochen) können und b) selbst die Frau in der Küche sehen.

Liebe Frauen, bitte haben Sie keine Angst. Sie dürfen von mir aus weiter über Männerschnupfen lästern. Ich weiß, dass ich bei einem dicken Infekt nicht sterbe und einfach nur meine Ruhe brauche. Ich weiß auch, dass ich kochen kann. Ich rege mich auch nicht über die männerfeindlichen Witz und Bilder auf. Ich finde sie einfach langweilig, sie haben in meinen Augen mit Humor nichts zu tun.

Alles, was ich will, ist dass nicht gleich die Sexismuskeule kommt, wenn man(n) über die Frauengrippe lästert. Alles, was ich will, ist die Ausführungen der Frau Beck ein wenig zu ergänzen, denn es sind nicht nur offensichtlichen Dinge, in denen sich Sexismus äußert. Es sind so viele Kleinigkeiten. Es sind Dinge wie das Klopfen einer Frau aufs männliche Hinterteil, von dem sich der Mann geschmeichelt fühlen muss, weil das ein Zeichen dafür ist, dass er doch ein toller Typ ist, während er im umgekehrten Fall mit nahezu an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sexuell belästigt hätte. Es ist der inflationäre Gebrauch der „Frauenpower“, die diebische Freude, wenn die Frau den Mann beim Lasertag geschlagen hat. Die starken Superfrauen, die nicht nur einfach die Welt und die „männlichen Prinzessinnen“ der Geschichte retten sondern allem überlegen beinahe gottgleich sind, als könne niemand sonst ihnen auch nur im Ansatz gleichkommen. Das hat nicht viel mit Frauenpower zu tun. Es hat nichts mit starken Frauen zu tun.

Nichts gegen Lara Croft, Wonder Woman & Co. Es sind ja nur Geschichten. Aber manche Frauen reiten darauf herum nach Motto: „Siehste! Frauenpower! Yeah!“ Und drehen dabei eigentlich nur einen alten Stereotypen um.

Wenn ich lange genug nachdenke, könnte ich vermutlich auch eine ausführliche Liste erstellen, was alles den Mann diskriminiert, aber nicht so wahrgenommen wird.

Und bevor jetzt jemand sagt: „Hör auf zu flennen! Du bist ein Mann!“ – das ist auch sexistisch. Wir Männer haben auch Gefühle. Und bitte, liebe Menschinnen und Menschen, behalten Sie dies im Hinterkopf, wenn es um das Kinoprogramm geht. Wir Männen schauen uns aus gutem Grund ungerne Liebesdramen an. Sie gehen uns nahe und als Männer dürfen wir schließlich nicht weinen.

 

Herr We

Ich, Herr We, bin der Mann mit dem langen Atem, wenn es um Worte geht. Der, der sich nicht kurzfassen kann, selbst wenn er will. Meine Waffe ist das Wort und ich schwinge dies Schwert unbarmherzig auf meinem Kreuzzug für die Gerechtigkeit.

Ich bin ein Mann des wohl gewählten Wortes. Einer meiner besten Freunde ist der Genitiv, mein Erzfeind das Katzenvideo, denn es beschränkt die Sprache auf lediglich drei Wörter: „Oh wie süß!!!!!“ Auch setze ich mich für den Schutz der Satzzeichen und gegen deren Mißbrauch als Rudeltiere (wie im Kommentar zum Katzenvideo) ein.

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